In Dresdens Innenstadt: Burger oder vegan?

In Dresdens Innenstadt: Burger oder vegan?
24. Feb 19:09 2020 von Charly Münch

Neulich, zum Geburtstag meiner Frau, hatten wir einen dreitägigen Ausflug nach Dresden geplant. Ich war gespannt, schließlich waren wir noch nie im schönen Elbflorenz. Conny, meine Frau, Tim (6 Jahre), Lilly (9 Jahre) und meine Weinigkeit checkten an einem Freitag am späten Nachmittag im Melia Innside in der Nähe des Neumarkts und der Frauenkirche ein. Tim testete springend die Betten, Conny erschöpft liegend und Lilly die Kosmetikpröbchen im Badezimmer. Und wir hatten Hunger! Als sehr fleißiger Verwerter sämtlicher essbaren Dinge, informierte ich mich schon vor der Reise ausgiebig über Möglichkeiten, der Lust auf ein schönes, großes Steak oder Burger in jeglichen Variationen zu fröhnen. Conny, als sehr gesundheitsbewusste Frau widerum mag es eher elegant leicht, ökologisch, vital und frei von jeder Art von Tier uind deren Produkte. Vegan halt und bio. Logisch.

Jetzt raten Sie mal, wer letztlich immer wieder die Wahl des Restaurants entscheidet. Es ist einer von uns beiden und ich bin es nicht. Neulich im Supermarkt beim Einkaufen habe ich aus Versehen leicht den Einkaufswagen leicht in Connys Waden geschoben. "Kannst Du nicht aufpassen?!", fuhr sie mich an. Fünf Minuten später zwischen Toffifee und Kinderriegel schob sie mir den Wagen in die Hacken. "Kannst Du nicht aufpassen?! Nicht einfach stehen bleiben?!" hörte ich ihr zu und rieb mir die schmerzenden Fesseln. Egal, was ich tu, es ist falsch. Dann lass ich es halt. Das ist auch falsch. In unserem Fall wusste ich genau, wie die Wahl und Entscheidung ausfallen wird. Zum Glück hatte ich Tim auf meiner Seite. Conny hatte allerdings Lilly auf ihrer Seite. Großes Pech für mich, denn Lilly mausert sich immer mehr zu einer kleinen Conny.

Nun bin ich nicht nur Genießer sämtlicher fleischhaltiger Schlemmereien, sondern auch ein kleines Cleverle. Noch in Köln, unserer Heimatstadt, fand ich nämlich ein tolles, ansprechendes Burgerrestaurant an der Frauenkirche auf dem Neumarkt, also nicht weit von unserem Hotel entfernt, der neben leckersten Burgern aus reinem Rindfleisch eben auch rein vegane und vegetarische Burger mit solch klangvollen Namen wie Herzelien, Firlefanz oder Liebling führt. Lock ich sie doch einfach mit veganen oder vegetarischen Burgern und komme so auf meine reichliche Beef-Kost in Form leckerer Burger! Allerdings habe ich die Rechnung ohne Conny gemacht. Conny ist nämlich ein großes Cleverle. Was ich konnte, konnte sie schon lange. Sie schlug mich mit meinen eigenen Waffen und das viel besser. Sie suchte ein veganes und vegetarisches Restaurant in Dresden heraus, welches widerum ebenfalls alternativ sehr tolle Fischgerichte auf der Karte hatte, das Happy Happa auf der Weissen Gasse umweit des Altmarkts und der Kreuzkirche. So, nun hatten wir beide die selben Argumente. Gut, ich hatte noch Tim auf meiner Seite. Conny hatte allerdings Lilly für sich. Tim und ich hatten also verloren. Nach Tims hüpfendem Getobe und Lillys Badezimmersession einigten wir uns dann darauf, heute Happy Happa, morgen Burgerei! Vorfreude ist doch schön! dachte ich mir und los ging es.

Vorbei an der Frauenkirche und am Lutherdenkmal über den Neumarkt noch schnell einen sehnsüchtigen und neugierigen Blick in Richtung Burgerei versenkt erreichten wir die Weiße Gasse mit ihren zahlreichen Restaurants in wenigen Gehminuten von unserem Hotel aus. Das Happy Happa, das Ziel unseres heutigen abends betraten wir dann im Gänsemarsch, allen voran Conny, gefolgt von einer freudigen Lilly und uns beiden zögernden Männers. Überrascht ob des durchmischten Publikums, ehrlich gesagt erwartete ich bohrende Blicke salatmapfender strenger VeganerInnen, mir steht nunmal die Fleischeslust wirklich auf die Stirn geschrieben. Aber weit gefehlt! Irgendwie fühlte ich mich sogar sehr wohl. Schwere natürliche Massivholztische, dunkle, sehr bequeme Sitzmöbel und ein Ambiente in einer Mischung eines Künstlerbistros im Pariser Montmartre und Omas heimeliger Wohnküche - und alles modern, klar, wohlig. Sogar die Karte hat mich vom Hocker gehauen. Die äußerst zufriedene Conny wählte aus den sogenannten Happas (ähnlich den spanischen Tapas) hausgemachte Rote Bete Ravioli, eine Mango-Ingwer-Kokos-Linsensuppe sowie Auberginenröllchen mit Couscous und Ziegenkäse. (Jungs vom FC, bitte mal nicht weiterlesen!) Da habe sogar ich richtig Appetit bekommen. Zu aller Überraschung war die Fleisch- und Fischkarte nicht nur eine lieblose Alternative zum Hauptthema des Restaurants für alle Nicht-Veganer/Vegetarier sondern beinhaltete Gerichte vom Feinsten. Welch veganer/vegetarische Gastronom kann von sich behaupten, seine  fleischlos Unglicklichen mit solch Gaumenfreuden wie Ochsenbäckchen, Dry Aged Entrecôte oder Lammkoteletts von der Krone zu verwöhnen? Ich habs genossen und zwar genau in dieser Reihenfolge, Happas versteht sich! Einen Wermuthstropfen hatte der Abend allerdings. Conny hatte mal wieder Recht. Und das ließ sie mich den Rest des Abends noch gewaltig mit deftigen Spitzen spüren. Macht Gemüse wirklich so giftig?

Am nächsten späten nachmittag,wir waren müde und kaputt von acht Stunden reichlicher Sightseeingtour durch die Innenstadt von Dresden - Kultur, Kultur und nochmal Kultur - steuerten wir aus Richtung Altmarkt kommend direkt ohne Umweg zum Hotel die Burgerei auf dem Neumarkt an. Lilly war am motzen, sie wollte vorher nochmal ins Badezimmer. Conny war am motzen, sie wollte vorher nochmal ins Badezimmer. Tim war am motzen, er hatte Hunger.  Ich war nicht am motzen. Ich war heiß auf leckere Burger! Nun sollte es endlich soweit sein

In einer Reihe wie die sieben Zwerge traten wir durch die Tür in die heiligen Räume. "Wow!" entfuhr es mir spontan."Geil!" rief Tim begeistert aus. "Oh, wie schick!" sagten Conny und Lilly dann doch recht respektvoll fast gleichzeitig. Man merkte gleich wieder, dass beim Verteilen unserer Gene an Lilly ich das Nachsehen hatte und Conny vor neun Jahren einen Volltreffer landete. Nun ja.

Fast futuristisch, elegant,stylisch und edel kann ich den ersten Eindruck in Worte fassen. Ein Ort zum Wohlfühlen, jeden Tag vorbeikommen und einfach wohl fühlen. Einfach fantastisch. Hier verzichtete ich sogar fast automatisch auf das obligatorische Weißbier, zu lecker erschienen mir die hausgemachten Limonaden in der Karte und in echt noch mehr. Und nun - Leute, es war der Himmel auf Erden - ich konnte nicht widerstehen und bestellte mir aus der sehr umfangreichen Karte gleich mal zwei Burger, den Wolf im Schafspelz mit Lammfleisch und einer Fetakäse-Olivencreme und das zickige Rindvieh mit reichlich Rind, Ziegenkäse-Honigcreme und geröstetem Speck. Ich war am Ziel meiner Träume.  Die Conny-Lilly-Fraktion labte sich vegetarisch an Burgern namens Frau Antje und Alladin, dazu reichlich Süßkartoffelpommes und Tim zog sich ganze zwei Cowboys rein. Ohne Pommes versteht sich. Das nimmt nur Platz fürs Fleisch weg, sagt er. Alles in allem sind wir kulinarisch, ob lecker Fleisch oder lecker vegetarisch (ja wirklich LECKER VEGETARISCH) in Dresden rundum verwöhnt worden. Sogar Conny war in der Burgerei recht zahm, und das will was heißen! Dresden, im nächsten Jahr kommen wir wieder. Und dann gehen wir zuerst in die Burgerei! Stimmts, Tim?

Über den Author

Charly Münch
Charly Münch

mit Conny, Lilly und Tim
Wohnort: Köln

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